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SiGeKo-Begehung: Seitenschutz und Absturzsicherung in der Abbruchphase (Köln)

In einem innerstädtischen Umbau in Köln (Abbruch- und Rückbauphase, mehrere Gewerke parallel) wurden im Rahmen der SiGeKo-Koordination regelmäßige Baustellenbegehungen durchgeführt. Schwerpunkt war Absturzsicherung und Seitenschutz in den oberen Geschossen – ein klassisches Thema nach Baustellenverordnung mit hoher Unfalltragweite.

Was gilt rechtlich?

Ausgangslage: Ein spezialisiertes Unternehmen führte Abbrucharbeiten aus, mehrere Beschäftigte waren regelmäßig vor Ort, teils gleichzeitig mit anderen Gewerken in der Nähe. Die Begehungen verglichen den tatsächlichen Zustand mit früheren Berichten. Viele Nachbesserungen waren sichtbar, aber es gab weiterhin Lücken bei Vollständigkeit, Verankerung und Übergängen zwischen Abbruch, provisorischer Sicherung und Folgegewerken.

Bei Absturzgefahr achtet der SiGeKo vor allem darauf, ob alle Absturzkanten und Öffnungen mit Seitenschutz, Abdeckung oder Netzen gesichert sind, ob provisorische Konstruktionen statisch und fachgerecht befestigt sind und keine lösbaren Klemmen an kritischen Stellen tragen, ob Verkehrswege und Fluchtwege frei von Abbruchmaterial bleiben und wer für welchen Bereich verantwortlich ist – schriftlich im SiGe-Plan benannt.

Abbruch-spezifisch (Orientierung Berufsgenossenschaft BAU C 301): Vor Beginn bauliche und statische Bewertung des abzubrechenden Bauwerks, Abbruchanweisung durch den Unternehmer, Aufsichtführender mit Weisungsbefugnis, der die Arbeiten nicht parallel als Maschinenführer ausübt. Bauteile nicht durch Unterhöhlen oder Einschlitzungen zum Einsturz bringen. Gefahrstoffe und Gebäudeschadstoffe vor dem Abbruch klären.

In Begehungsberichten unterscheiden wir drei Dringlichkeitsstufen. Kategorie A bedeutet unmittelbare Absturzgefahr: Arbeitsbereich sperren, Arbeit stoppen, sofort nachbessern. Kategorie B ist ein Absturzrisiko bei fortgesetzter Arbeit: Maßnahme innerhalb kurzer Frist, Wiederbegehung planen. Kategorie C betrifft organisatorische Punkte wie Dokumentation, Unterweisung oder Termine im Baustellenlogbuch. So können Gewerke planbar reagieren statt defensiv.

Bei Begehungen fallen regelmäßig unvollständiger Seitenschutz an Deckenkanten, provisorische Absicherungen ohne belastbare Verankerung und Lücken beim Gewerkewechsel auf – etwa wenn das Abbruchunternehmen den Schutz entfernt hat und das Folgegewerk noch nicht nachgerüstet ist. Jeder Punkt wird mit Foto, Geschoss, Verantwortlichem, Frist und Status bei der Folgebegehung dokumentiert.

Umsetzung in der Praxis

Rechtliche Einordnung: Absturzsicherung nach TRBS 2121 Teil 2 und ASR A2.1 (Absturz, Sturz und herabfallende Gegenstände), dazu die projektbezogene Gefährdungsbeurteilung des Abbruchunternehmens und die Querschnitts-Gefährdungsbeurteilung im SiGe-Plan. Absturzhöhe ab 1 Meter am Arbeitsplatz ist relevant; ab 2 Meter an weiteren Arbeitsplätzen und Verkehrswegen gelten verschärfte Anforderungen an den Seitenschutz – objektspezifisch im Plan festhalten.

Häufigster Konflikt bei Gerüst, Abbruch und Rohbau: Wer stellt die Randabsicherung in welcher Phase? Übergabeprotokolle mit Fotos und Freigabe für das Folgegewerk vermeiden Grauzonen. Der SiGeKo moderiert, ersetzt aber nicht die Statik des Gerüstbauers oder die Abbruchanweisung.

Lärm und Staub in der Abbruchphase gehören in SiGe-Plan und Begehung mit dazu – Gehörschutz, Staubschutz, Nachbarschaft. Das reduziert Beschwerden und Behördenkontakte in Köln.

Tipp für Bauherren: Begehungsberichte als Projektjournal nutzen und Versionen vergleichen. Wiederkehrende Mängel am gleichen Typ – etwa an derselben Deckenkante – deuten oft auf fehlende Baustellenordnung oder unzureichende Einweisung, nicht auf „faule Handwerker“.

Für Berufsgenossenschaft und Behörde überzeugen nachvollziehbare Maßnahmenketten: Feststellung, Verantwortlicher, Umsetzung, Wirksamkeitskontrolle – nicht bloß Sammellisten. Der SiGeKo dokumentiert die Koordination, nicht die fachliche Abbruchausführung des Gewerkes.

Typische Mängel und Vorbereitung

Vor der nächsten Begehung sollten SiGe-Plan, Begehungsprotokolle und Maßnahmenplan auf dem aktuellen Stand liegen, Unterweisungen nachweisbar sein und Verantwortliche mit Fristen benannt sein – abgestimmt mit Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsarzt.

Health and Safety+ führt SiGeKo-Begehungen in Köln und NRW durch – Abbruch, Rohbau, Ausbau. Leistungen SiGeKo, Ratgeber SiGeKo, Pflicht, Gefährdungsbeurteilung Schnittstellen. Kontakt.

Häufige Fragen (FAQ)

Warum Seitenschutz bei Abbruch in Köln?
Enge innerstädtische Grundstücke, Nachbarschaft, Anhang II Nr. 1 BaustellV – Absturz und herabfallende Teile müssen im SiGe-Plan mit Maßnahmen und Verantwortlichen stehen.
Was prüft der SiGeKo?
Seitenschutz, Verbau, Absturzsicherung, Einweisung Gewerke, Schnittstellen Abbruch/Rohbau, Dokumentation im SiGe-Plan und Begehungsprotokoll.
Typische Mängel?
Seitenschutz erst nach Beanstandung, fehlende Einweisung Subunternehmer, Plan nicht fortgeschrieben bei Lageänderung, keine Übergabe an Rohbau.